Coastal-Rowing

Wenn Meer, Welle und Rudern aufeinandertreffen entsteht eine Menge Spaß- oder eben Coastal-Rowing. Coastal-Rowing ist die extremere und abenteuerlichere Variante des Ruderns, die umso mehr lockt, je rauer das Wasser ist und damit eine neue Dimension im Rudern eröffnet. Einige bezeichnen Coastal-Rowing auch gerne als „Wildwasser-Variante des Ruderns“.

Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Coastal-Ruderer kontinuierlich zu und entwickelt sich mehr  und mehr zum Trend, was zum größten Teil wohl daran liegt, dass die Zeiten, in denen man sich nur mit schweren Gigs, Seegigs oder Innenriggern aufs Meer trauen konnte, vorbei sind. Die Entwicklung von neuen leichteren und wendigeren Coastal-Rowing-Booten sorgt dafür, dass man leicht und stabil über Wellen surft und auch starke Steuermanöver stabil übersteht. Durch das offene Heck läuft eingedrungenes Wasser sofort wieder ab. Die Boote sind quasi unsinkbar.

Seit 2017 gibt es direkt am Ostseestrand von Heidkate bei Kiel eine Coastal-Rowing-Mietstation  von Fast-Sports. Dort kann man Boote des Bootsherstellers Euro Diffusion´s  und Swift Racing anmieten und direkt vor Ort aufs Wasser gehen.

Gesagt, getan: Schon länger hegte ich den Wunsch, das Coastal-Rowing einmal auszuprobieren. Netterweise bekam ich dazu an meinem Geburtstag Gelegenheit, weil mich ein wundervoller Mensch mit diesem Event überraschte.

Also fuhren wir gemeinsam morgens voller Erwartung Richtung Heidkate, entdeckten nach kurzem Suchen das umfangreiche Bootslager von Fast-Sports neben dem Restaurant Deichterrassen und wurden dort auch gleich von Silke fröhlich begrüßt.

Nach kurzer Einweisung ging es dann mit einem Renn-Doppel2er Richtung Strand. Das Boot wurde  auf einem Bootswagen ein Stück ins Meer gezogen und dort zu Wasser gelassen. Der Einstieg erfolgte daraufhin relativ sportlich direkt aus dem Wasser ins Boot. Zunächst hatten wir noch relativ ruhiges Wasser, was ich fast ein bisschen langweilig fand. Wenig später jedoch frischte der Wind auf, einzelne Schauer zogen durch und auch die Kite-Surfer waren plötzlich mit von der Partie. Nun wurde es richtig interessant: Das Boot war zwar permanent in Bewegung, nahm jedoch jede noch so große Welle gelassen hin und surfte stellenweise regelrecht auf der Welle. Wasser, das ins Boot schlug, lief sofort wieder über das Heck hinaus. Lediglich im Bereich des Stemmbrettes blieb das Wasser fußhoch stehen.

Meine Tochter und ich haben viel herumexperimentiert, das Boot direkt gegen die Welle gedreht, Wellen angeschnitten, sie abgeritten, sind krasse Manöver gefahren: Nichts passierte, das Boot blieb stoisch stabil. Ganz klar gibt es hier keine Kenterproblematik, eher wird man noch von der Welle aus dem Boot geschlagen. Eine gewisse Rumpfstabilität muss man also mitbringen, um die teils kräftigen Stöße sicher und rückenschonend abzufangen. Dank so viel Spaß und Abenteuerlust blieben wir gleich zwei Stunden auf dem Wasser, dann brannten langsam, aber sicher die Hände, da die Skulls doch permanent fester gehalten werden müssen als gewohnt. Das einzige, was beim Coastal-Rudern gleich ist, ist für mich die Ruderbewegung, der Rest ist anders.

Anschließend hatte ich noch die fantastische Gelegenheit den neuesten und leichtesten Coastal-Renn-Einer von Swift Racing zu testen. Dieses Modell wird von den derzeitigen Weltmeistern gerudert. Und hatte der Doppel2er schon Spaß gemacht, so bot dieser Einer doch noch eine ganz neue Dimension: Extrem leicht und wendig und mit Flügelauslegern ausgestattet, dabei stabil, wenngleich hier das Wasser fast permanent durch das Boot fließt und man damit definitiv nass wird. Krass, was damit geht! Für mich war dieses Boot Spaß pur und ich bin da nur sehr ungerne wieder ausgestiegen.

Zum Ende des Tages bin ich noch einmal mit meiner Jüngsten ins Boot gestiegen. Danach war die trockene Kleidung aufgebraucht und wir traten glücklich und angenehm erschöpft den Heimweg an. Seitdem bin ich mächtig infiziert und plane, wann ich das nächste Mal auf dem Meer rudern gehen kann.

Ganz ehrlich: Coastal-Rowing ist eine echte Fun-Sportart und hat definitiv Suchtpotential!

Zur Info: www.fast-sports.de  (hier findest du die Mietstation). Uns hat Silke kompetent und engagiert betreut.

Außerdem gibt es seit diesem Sommer auch eine Coastal-Rowing-Station der LRG in Niendorf. Infos und Link dazu auf der Homepage des LFRK oder direkt bei der LRG. Ansprechpartnerin ist Wibke Göring unter coastal@lrg1885.de